PFAS im Abwasser entfernen ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben moderner Wasserbehandlung. Während Verbraucher PFAS vor allem aus Kochgeschirr, Teppichen, Outdoor-Kleidung oder Trinkwasser kennen, liegt die technische Hauptlast häufig woanders: in industriellen Abwässern, Deponiesickerwasser, kontaminiertem Grundwasser, Löschschaum-Altlasten, Produktionsstandorten, Konzentraten aus Filtrationsanlagen und anderen belasteten Prozessströmen.
Für Unternehmen, Betreiber und Sanierungsverantwortliche ist PFAS kein reines Kommunikationsthema mehr. Es ist ein Betriebs-, Haftungs-, Kosten- und Technologiethema. Der regulatorische Druck steigt, Grenzwerte werden konkreter, Monitoring wird ausgeweitet und PFAS-Emissionen werden stärker sichtbar. Die EU verlangt seit Januar 2026 eine harmonisierte Überwachung von PFAS im Trinkwasser.[i] Gleichzeitig verweist die Europäische Kommission darauf, dass die Industrieemissionsrichtlinie strengere PFAS-Überwachung vorsieht, unter anderem mit Berichtspflichten für PFOA, PFHxS und deren Salze ab 2028.[ii]
Das hat Folgen: Was früher analytisch vielleicht nicht im Fokus stand, wird heute gemessen. Was gemessen wird, muss bewertet werden. Und was über Grenzwerten oder internen Zielwerten liegt, muss behandelt werden.
PFAS im Abwasser entfernen: Warum Abtrennung allein nicht genügt

PFAS im Abwasser entfernen klingt auf den ersten Blick wie eine klassische Wasseraufbereitungsaufgabe. Schadstoff drin, Verfahren auswählen, Schadstoff raus. Bei PFAS ist die Realität deutlich komplizierter.
PFAS sind chemisch extrem stabil. Die Kohlenstoff-Fluor-Bindung zählt zu den stärksten Bindungen in der organischen Chemie. Viele PFAS sind persistent, manche mobil, manche bioakkumulativ, manche toxikologisch besonders relevant. Das Umweltbundesamt beschreibt, dass PFAS in der Umwelt weder durch Bakterien noch durch Wasser, Luft oder Licht vollständig eliminiert werden und sich nach Freisetzung in Wasser und Sediment ausbreiten können.
Genau deshalb reicht es in vielen Fällen nicht, PFAS nur aus einem Wasserstrom herauszufiltern. Aktivkohle, Ionenaustauscher, Nanofiltration oder Umkehrosmose können sehr wirksam sein, aber sie verlagern das Problem häufig in ein Sekundärmedium: beladene Aktivkohle, Harze, Membrankonzentrate, Schlämme, Regenerate oder Sole. Der Schadstoff ist dann nicht weg. Er ist konzentrierter, kleiner verpackt und wartet auf die nächste technische Entscheidung.
Die US-Umweltbehörde EPA benennt granulierte Aktivkohle, Anionenaustauscher, Umkehrosmose und Nanofiltration als Best Available Technologies für PFAS in Trinkwasser[iii]. Gleichzeitig weist die EPA darauf hin, dass aktuell verfügbare Technologien PFAS aus Trinkwasser abtrennen und PFAS-haltige Materialien erzeugen, die anschließend behandelt, entsorgt oder anderweitig gemanagt werden müssen.
Für industrielle Anwendungen ist genau dieser Punkt entscheidend. Die eigentliche Frage lautet nicht nur: Wie senken wir den PFAS-Wert im Ablauf? Sondern: Was passiert mit dem PFAS-haltigen Rückstand?
Typische B2B-Szenarien: Wo PFAS-belastete Wasserströme entstehen
PFAS können in sehr unterschiedlichen technischen Kontexten auftreten. Besonders relevant sind Standorte, an denen PFAS produziert, verarbeitet, verwendet, gelagert, freigesetzt oder über Abfälle eingetragen wurden.
Dazu zählen Industrieanlagen mit PFAS-Nutzung, Galvanik, Textil- und Papierindustrie, Elektronik, Oberflächenbehandlung, chemische Produktion, Deponien, Flughäfen, Feuerlösch- und Brandübungsplätze, Raffinerien, Militärstandorte, kommunale oder industrielle Kläranlagen mit entsprechenden Zuläufen sowie Sanierungsprojekte für kontaminiertes Grundwasser.
Die EPA beschreibt industrielle PFAS-haltige Flüssigabfälle unter anderem aus der Produktion von PFAS, der Herstellung PFAS-haltiger Produkte, unbeabsichtigten Freisetzungen sowie AFFF-Wasser-Schaum-Mischungen aus Feuerlöschmitteln[iv]. Außerdem können Abwässer von primären PFAS-Herstellern oder sekundären industriellen PFAS-Nutzern sowie Kläranlagen mit industriellen PFAS-Zuläufen belastet sein.
Gerade bei Kläranlagen und Deponiesickerwasser entsteht ein besonderer Zielkonflikt. Konventionelle biologische Abwasserbehandlung ist nicht dafür gemacht, PFAS zu zerstören. Die EPA hält fest, dass konventionelle Abwasserbehandlungstechnologien PFAS im Allgemeinen nicht effektiv zerstören oder kontrollieren können und teilweise sogar messbare PFAA-Konzentrationen erhöhen können, wenn Vorläuferverbindungen im Prozess umgewandelt werden[v].
Für Betreiber bedeutet das: PFAS müssen möglichst früh im Prozess verstanden werden. Wer erst am Ablauf misst, sieht oft nur das Ergebnis eines komplexen Eintragsmixes. Sinnvoller ist eine Quellendifferenzierung: Welche Teilströme enthalten PFAS? Welche Konzentrationen liegen vor? Welche PFAS-Spezies dominieren? Gibt es Vorläuferverbindungen? Welche Begleitstoffe beeinflussen die Behandlung? Wie hoch sind Leitfähigkeit, Chlorid, Sulfat, organischer Kohlenstoff, pH-Wert, Temperatur, Härte und Feststoffanteil?
Ohne diese Daten wird PFAS-Behandlung schnell zum Blindflug mit Laborrechnung.
Warum PFAS-Sanierung meist ein Prozesskonzept braucht
Ein einzelnes Verfahren ist selten die ganze Lösung. In vielen Projekten ist ein mehrstufiger Ansatz sinnvoll: zuerst erfassen, dann vorreinigen, dann konzentrieren, dann behandeln, dann polieren und überwachen.
Die Interstate Technology and Regulatory Council beschreibt PFAS-Behandlungstechnologien grundsätzlich nach der Funktion: immobilisieren, abtrennen und konzentrieren oder zerstören. Gleichzeitig betont sie, dass viele bestehende Verfahren bei PFAS unzureichend sind und häufig neue Technologien oder innovative Kombinationen bestehender Technologien benötigt werden[vi].
Ein typisches Konzept kann so aussehen: Zunächst wird der Wasserstrom analytisch charakterisiert. Danach werden Feststoffe, Eisen, organische Belastungen oder störende Matrixbestandteile entfernt. Anschließend können PFAS aus großen Wassermengen mit Aktivkohle, Ionenaustauscher, Membranverfahren oder Schaumfraktionierung abgetrennt und konzentriert werden. Der gereinigte Hauptstrom wird überwacht und gegebenenfalls poliert. Der PFAS-reiche Teilstrom oder das Konzentrat wird separat behandelt.
Genau hier entsteht die technische Schnittstelle für zerstörende Verfahren. Je höher die PFAS-Konzentration und je kleiner der zu behandelnde Volumenstrom, desto interessanter werden Verfahren, die nicht nur abtrennen, sondern PFAS-Moleküle abbauen können.
BDD-Elektrolyse: PFAS nicht nur abtrennen, sondern abbauen

Die elektrochemische Oxidation mit bor-dotierten Diamantelektroden, kurz BDD-Elektrolyse, ist ein Ansatz zur Behandlung PFAS-belasteter Flüssigkeiten. Dabei wird der Wasserstrom durch eine elektrochemische Zelle geführt. An der BDD-Anode entstehen hochreaktive oxidative Spezies, die organische Moleküle angreifen können. Bei PFAS ist das besonders anspruchsvoll, weil die Moleküle extrem stabil sind[vii]. Gerade deshalb ist der Prozess interessant: Er zielt nicht auf Speicherung, sondern auf chemischen Abbau ab.
Unser Partner WSP beschreibt die elektrochemische Oxidation mit langlebigen BDD-Elektroden als Verfahren zur Zerstörung von PFAS in Flüssigkeiten. Laut WSP können BDD-Elektroden oxidierende Radikale erzeugen, die PFAS-Moleküle in kürzere Moleküle zerlegen und letztlich zu Kohlendioxid und Fluorid führen können.
Besonders relevant wird diese Technologie laut WSP bei erhöhten PFAS-Konzentrationen, etwa in industriellen Abwässern, Grundwasser und Deponiesickerwasser. Für niedrigere PFAS-Konzentrationen im ppt-Bereich empfiehlt WSP zunächst eine Konzentration über Verfahren wie Ionenaustauscher, Schaumfraktionierung oder Umkehrosmose und danach die Behandlung des konzentrierten PFAS-Flüssigkeitsstroms[viii].
Das ist auch für die praktische Einordnung wichtig: BDD-Elektrolyse ist kein magischer „alles rein, alles sauber“-Kasten. Technisch sinnvoll ist BDD vor allem dort, wo der Prozess richtig ausgelegt ist: passende Konzentration, geeignete Matrix, kontrollierte Leitfähigkeit, ausreichender Stofftransport, definierter Strom, passende Verweilzeit, Temperaturkontrolle, Gasmanagement, Nebenproduktmanagement und analytische Kontrolle.
Rolle von pro aqua: BDD-Zellen als technische Kernkomponente
pro aqua entwickelt und produziert bor-dotierte Diamantelektroden und BDD-Zellen für unterschiedliche Anwendungen der Wasserbehandlung. Die interne Produkt- und Technologiepositionierung beschreibt BDD-Zellen als Standard- und Spezialzellen, die oxidierende Spezies erzeugen und für Anwendungen von Trinkwasser- über Abwasser- und Prozesswasseraufbereitung bis hin zur Elektrolysewassererzeugung eingesetzt werden können. Die pro aqua BDD-Zellen sind in unterschiedlichen Zelltypen und Größen verfügbar und können je nach Anwendung technisch ausgelegt werden[ix].
Für PFAS-Projekte ist diese Rolle besonders relevant, weil die Elektrode nicht bloß ein Bauteil ist, sondern den elektrochemischen Prozess prägt. Elektrodenfläche, Elektrodenabstand, Stromdichte, Durchfluss, Materialauswahl, Temperatur, Leitfähigkeit und hydraulische Einbindung beeinflussen, ob ein Prozess im Labor funktioniert, im Pilotmaßstab stabil bleibt und später technisch skalierbar wird.
BDD-Elektrolyse als Teil einer realistischen PFAS-Strategie
Die Stärke von BDD-Elektrolyse liegt dort, wo PFAS nicht nur verschoben, sondern in einem definierten Flüssigkeitsstrom abgebaut werden sollen. Besonders interessant sind konzentrierte Teilströme, Regenerate, Membrankonzentrate, Deponiesickerwasser, industrielles Abwasser oder belastetes Grundwasser mit relevanter Konzentration.
In vielen Fällen wird BDD nicht allein arbeiten, sondern mit Vorbehandlung und Nachbehandlung kombiniert. Vorfiltration schützt die Zelle. Konzentrationsverfahren reduzieren den Volumenstrom. Elektrooxidation behandelt den PFAS-reichen Strom. Nachgeschaltete Verfahren können Nebenprodukte, Restoxidantien oder verbleibende Spurenstoffe reduzieren. Monitoring stellt sicher, dass der Prozess nicht nur im Prospekt, sondern auch in der Realität funktioniert.
Genau darin liegt die technische Seriosität: Nicht jedes Wasser ist gleich. Nicht jedes PFAS verhält sich gleich. Nicht jede Matrix ist geeignet. Aber dort, wo die Randbedingungen passen, kann BDD-Elektrolyse ein wichtiger Baustein für die Zerstörung PFAS-belasteter Flüssigkeitsströme sein.
Fazit: PFAS im Abwasser entfernen heißt, den ganzen Stoffstrom zu beherrschen
PFAS im Abwasser entfernen ist keine einfache Filterfrage. Es ist eine Systemaufgabe. Wer PFAS nur abtrennt, muss anschließend mit beladenen Medien, Konzentraten oder Reststoffen umgehen. Wer PFAS abbauen will, braucht geeignete Wasserströme, robuste Technologie, fundierte Analytik und ein realistisches Prozesskonzept.
Für Industrie, Deponien, Sanierungsprojekte und Betreiber technischer Anlagen wird PFAS in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Monitoring wird genauer, Regulierungen werden konkreter und die Frage nach zerstörenden Verfahren wird dringlicher.BDD-Elektrolyse mit bor-dotierten Diamantelektroden ist dafür ein ernstzunehmender technologischer Ansatz. Nicht als Wunderwaffe, sondern als präziser Baustein für die Behandlung hoch belasteter oder vorkonzentrierter PFAS-Wasserströme.
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[i]https://germany.representation.ec.europa.eu/nachrichten-und-veranstaltungen/pressemitteilungen/sauberes-trinkwasser-zusatzliche-eu-weite-schutzmassnahmen-gegen-pfas-treten-kraft-2026-01-13_de
[ii] https://environment.ec.europa.eu/topics/chemicals/pfas-pollution_en
[iii] https://www.epa.gov/system/files/documents/2024-04/pfas-npdwr_fact-sheet_treatment_4.8.24.pdf
[iv] https://www.epa.gov/pfas/interim-guidance-destruction-and-disposal-pfas-and-materials-containing-pfas
[v]https://www.epa.gov/system/files/documents/2024-04/2024-interim-guidance-on-pfas-destruction-and-disposal.pdf
[vi] https://pfas-1.itrcweb.org/12-treatment-technologies/, https://pfas-1.itrcweb.org/wp-content/uploads/2023/10/TreatmentTech_PFAS__FactSheet_Sept2023_final.pdf
[vii] https://www.proaqua.at/bdd-elektrolyse/
[viii] https://www.wsp.com/en-gl/insights/electro-oxidation-proven-commercial-solution-for-destroying-pfas-in-liquid, https://www.wsp.com/en-us/services/pfaser-electro-oxidation-technology
[ix] https://www.proaqua.at/bdd-zellen/
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