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Können Schildkröten und Welse gemeinsam gehalten werden?

Manuela Kuss
Manuela Kuss

Schildkröten und Welse in einem Aquarium, geht das gut?

Um diese Frage konkret zu beantworten ist es wichtig zu klären, um welche Schildkrötenart und um welche Welsart es sich handelt und wie die Haltebedingungen sind. Prinzipiell können Welse mit Schildkröten vergesellschaftet werden, sofern hierbei die folgenden 4 Punkte beachtet werden:

  1. Ernährungsweise der Schildkröten: Schildkröten, die sich vorwiegend karnivor (fleischfressend) ernähren, sind nicht für die gemeinsame Haltung mit Welsen geeignet.
  2. Größe der Welse: Junge oder kleinbleibende Welse können von den Schildkröten als willkommener Futtersnack betrachtet werden. Daher eher ausgewachsene Exemplare und größere Arten einsetzten. Welse mit ausgeprägten Flossen werden gerne angeknabbert.
  3. Versteckmöglichkeiten: Den Welsen ist eine artgerechte Umgebung mit zusätzlich ausreichend Versteckmöglichkeiten wie Röhren oder Höhlen zu bieten, die für Schildkröten nicht erreichbar sind.
  4. Besonderheiten von Welsen: Einige Welsarten besitzen Verteidigungsmechanismen wie ab-spreizbare Brustflossenstrahlen oder Stacheln oder können ein Sekret, welches für andere Tiere tödlich bzw. schmerzhaft sein kann, absondern.

In nachfolgenden Kapiteln wird auf jeden dieser Punkte ausführlich eingegangen.

1.)   Ernährungsweise der Schildkröten

Je nach Schildkrötenart ernähren sie sich herbivor(also rein pflanzlich) omnivor (also von gemischter Kost), oder rein karnivor von Fleisch bzw. Fisch oder Mollusken. Die Ernährungsweise von Schildkröten kann sich außerdem vom frischen Schlüpfling bis zum adulten Alter verändern.

Schildkröten, die sich vorwiegend karnivor ernährend und per se sehr gute Fischjäger sind, sind absolut nicht für eine Vergesellschaftung mit Welsen (oder anderen Fischen, sowie Krebsen, Garnelen oder Schnecken) geeignet. Demnach nicht geeignet für die Vergesellschaftung mit Welsen sind folgende Schildkrötenarten:

  • Chinesische Weichschildkröten
  • Langhals-Schmuckschildkröte
  • Diamantschildkröten
  • Europäische Sumpfschildkröten
  • Moschusschildkröten
  • Klappschildkröten
  • Tropfenschildkröten
  • Chinesische Dreikielschildkröten
  • und Höckerschildkröten

Die Wahrscheinlichkeit, dass Welse bei oben genannten Arten als Futter enden ist sehr hoch und sollte nicht riskiert werden. Untenstehende Grafik zeigt, welche Schildkrötenart sich zu wieviel Prozent (%) von Pflanzen bzw. nicht pflanzlich ernähren.

Demnach sind für die Vergesellschaftung mit Welsen echte Schmuckschildkröten und Buchstaben-Schmuckschildkröten, bzw. chinesische Streifenschildkröten, am besten geeignet, sofern die Fütterung sowie die eingesetzten Welsarten und Beckenstrukturierung angepasst sind.

Hinzuzufügen ist noch, dass je nach Jahreszeit und je nachdem, ob es sich um adulte oder um junge Schildkröten handelt, das Fressverhalten ebenso variieren kann.

Da das Verdauungssystem von Schildkröten für die Umsetzung von pflanzlicher Kost mehr Energie verbraucht als für die Verdauung von Fisch oder Fleisch, kommt es bei Gemischt-Köstlern in den warmen Monaten zu einem vermehrten Pflanzenbedarf als in den kälteren Monaten. Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass in den Frühlings- und Herbstmonaten gerne vermehrt auf Fischfang gegangen wird.

Auch Jungtiere können eine Ausnahme beim Fressverhalten bilden. Während des intensiven Wachstumsprozesses in den ersten Lebensjahren kann es selbst bei Arten, die sich im adulten Alter hauptsächlich herbivor (pflanzlich) ernähren dazu kommen, dass sie einen Großteil an viel tierischem Futter fressen.

Daher ist es auch hier ratsam, Jungtiere nicht mit zu kleinen Welsen zu vergesellschaften, auch, wenn es sich um vorranging herbivore Arten handelt.

Am Ende des Artikels unter „Praxisbeispiele“ findet sich eine Tabelle in welcher Beispiele aus der Praxis aufzeigen, welche Welsart und welche Schildkrötenart erfolgreich miteinander vergesellschaftet wurden.

2.)   Welsarten und Welsgröße

Wie bereits eingangs erwähnt, sind vier Punkte für die Vergesellschaftung von Schildkröten und Welsen ausschlaggeben.

Der erste betrifft das Fressverhalten der jeweiligen Schildkrötenart, die weiteren drei die ausgewählten Welse selbst:

  • Größe der Welse
  • Versteckmöglichkeiten für die Welse
  • Besonderheiten von Welsen

Jedenfalls ist es ratsam, die Welse vor den Schildkröten ins Becken zu setzen und ihnen ein paar Tage Eingewöhnungsphase zu gönnen. D.h. die Fische sollten in Ruhe die Umgebung erkunden können und bereits wissen, welche Höhlen und Verstecke sowie Ruheplätze sie bevorzugen.

Kommen dann die Schildkröten ins Becken und fühlt sich der Wels eventuell gestresst, so kennt er bereits seine Umgebung und kann schnellstens den von ihm gewählten Rückzugsort aufsuchen.

Dies verhindert unnötige Panik und Stress für den Fall, dass es zu einem „neugierigen Verhalten“ seitens der Schildkröten kommt.

Welse werden zwar oft als „Saubermach-Trupp“ zu Wasserschildkröten dazu genommen, sollen jedoch keinesfalls als reine Nebenschauspieler angesehen werden. Diese Versuchung ist jedoch häufig groß, wodurch sie oft an mangelnder Wasserqualität leiden. Da sauberes Wasser im Zusammenhang mit Schildkröten oftmals keine sorgenfreie Thematik ist, empfiehlt es sich generell und vorbeugend auf eine gute Wasserqualität zu achten. Hierfür ist das Anbringen eines Aquarium-Freshers (mehr Informationen siehe hier) eine verlässliche Lösung.

Bevor noch auf die drei wesentlichen Punkte zur Vergesellschaftung von Welsen mit Schildkröten eingegangen wird, sollen zunächst noch die Unterschiede der einzelnen Wels-Gattungen aufgezeigt werden.

Wels ist nicht gleich Wels: die Unterschiede

Ähnlich wie bei Schildkröten gibt es bei Welsen weltweit unzählige Gattungen und Arten, die jeweils andere Ansprüche an die Wassertemperatur, die Beckeneinrichtung und das Futter haben. Hierbei ist darauf zu achten, dass den Grundbedürfnissen der Tiere nachgekommen wird und das Becken entsprechend ihrem Verhalten angepasst wird. Z.B. durch Holzwurzeln oder Strömung und sauerstoffreichem Wasser, oder feinem Sand als Bodengrund und entsprechenden Höhlen und Unterschlupfe als Verstecke.

Die wohl bekanntesten Welse sind

  • Panzerwelse (Corydoras)
  • Harnischwelse (Loricariidae)
    • Mit den Unterfamilien der Schilderwelse (Hypostominae)
    • L-Welse (Loricariinae) und
    • Antennenwelse (Ancistrus)

Panzerwelse

Es sind derzeit ca. 150 Arten bekannt und vorwiegend in Mittel- und Südamerika zu finden. Die meisten dieser Arten sind friedliche und gesellige sowie leicht zu pflegende Gruppenfische die, je nach Art, zwischen ca. 3,5 bis 12 cm groß werden. Zu ihren Besonderheiten zählen, dass sie eine Darmatmung besitzen, wodurch sie öfters zum kurzen Luftschnappen an die Oberfläche schwimmen, um sich dann wieder der Bodenregion zu zuwenden.

Eine weitere Eigenart sind die harten Brustflossenstrahlen, auch Pectoralstacheln genannt, die bei einigen Arten mit einer Sekretdrüse (Axillardrüse) versehen sind (derzeit nachgewiesen für C. sterbai, und C. aeneus). Bei Gefahr spreizen Panzerwelse die Brustflossen weit vom Körper ab. Sollte eine Schildkröte versuchen sie zu schlucken, kann der Wels im Rachenraum stecken bleiben und auch die Schildkröte gefährden. Weiters ist das Sekret sehr schmerzhaft und kann zum Tode von anderen Fischen oder kleineren Schildkröten führen.

Harnischwelse

Zu den Harnischwelsen, oder Loricariidae, zählen 7 Unterfamilien, die unter anderem die bekannten Schilderwelse (Hypostominae), L-Welse (Loricariinae) und Ancistren gehören. Es sind über 800 Arten bekannt und entsprechend vielfältig sind die Ansprüche und Lebensgewohnheiten. Da einige Arten bis zu 1m lang werden, ist es ratsam sich vorher genauestens zu erkundigen, um welche Welsart es sich handelt, wie groß das Exemplar wird und vor allem auch welche Ansprüche an das Futter bestehen.

Die Besonderheit dieser Fische sind die harten Knochenschilde sowie das Saugmaul, mit dem gerne an Wurzeln, Pflanzen und Steinen geraspelt wird und mit dem sie sich auch in einer starken Strömung festhalten können. Harnischwelse haben zumeist nur noch eine verkrümmte Schwimmblase wodurch sie nur mehr gegen Aufwand schwimmen können und ohne Bewegung absinken. Bei Gefahr spreizen auch sie ihre Flossen ab und einige Arten besitzen ebenfalls eine Axillardrüse und ein schmerzhaftes Sekret.

Wie groß muss ein Wels sein, damit er mit Schildkröten gemeinsam gehalten werden kann?

Die Größe des Welses ist in erster Linie von der Größe der Schildkröte abhängig, mit der er vergesellschaftet werden soll. Da es nur sinnvoll ist, herbivore oder zum größten Teil herbivore Arten mit Fischen zu vergesellschaften, sind hier nur jene Arten gelistet, die zumindest einen Anteil von 50% an rein pflanzlicher Nahrung aufweisen.

Des Weiteren ist es wichtig, bei Schildkröten zwischen Männchen und Weibchen zu unterscheiden, da bei den meisten Arten das Weibchen deutlich größer als das Männchen wird. In nachstehender Tabelle sind die Größenangaben von sechs Schildkrötenarten gelistet. Die in Klammer () stehende Zahl neben dem Namen gibt an, wie viele Unterarten es zu dieser Art gibt. Entsprechend können auch die Größenangaben variieren.

So ist es durchaus möglich, kleine z.B. Chrysemys oder Graptemys Männchen mit kleiner bleibenden Corydora zu vergesellschaften, wohingegen ein 20-30cm großen Schilderwels eher weniger gut in dieses Becken passen wird.

3.)   Welche Versteckmöglichkeiten benötigen Welse für eine artgerechte Haltung mit Schildkröten?

Welse benötigen ausreichend Versteckmöglichkeiten in Form von Höhlen, Kokosschalen, Röhren oder Unterschlüpfen aus Stein. Hierbei ist darauf zu achten, dass pro Tier mehrere Verstecke angeboten werden und diese der Größe des Tieres angepasst sind. Welse mögen es hierbei eng und kuschelig und die Schildkröte darf keinesfalls die Möglichkeit haben in das Versteck zu kommen.

Werden Verstecke in Form von Steinen und Wurzeln selbst gebaut, so ist darauf zu achten, dass diese nicht umfallen oder verrutschen können. Dies kann einerseits zum Einklemmen des Welses führen und andererseits zu einem bösen Erwachen in Form eines Haarrisses im Glas. Daher am besten die Einrichtungsgegenstände zusammenkleben und unterhalb eine Plexiglasplatte unterlegen, um Druckbelastungen und Scheibenbrüche zu vermeiden.

4.)   Kann ein Wels einer Schildkröte gefährlich werden?

Ja, ein Wels kann einer Schildkröte gefährlich werden. Und zwar einerseits, wenn die Schildkröte den Wels verschluckt und dieser z.B. wie bei den Panzerwelsen die Brustflossen spreizt und im Hals der Schildkröte stecken bleibt oder anderwärtig Dornen oder Stacheln und Sekrete zur Verteidigung einsetzt.

Andererseits kann ein zu großer und schwerer Wels ohne böse Absicht den Panzer einer jungen Schildkröte als willkommene Raspel-Abwechslung betrachten und diese so unter Wasser halten und verletzten. Daher sollten die Größen der beiden Bewohner ebenfalls aufeinander abgestimmt werden.

Praxisbeispiele

Nachfolgend sind Beispiele aus der Praxis zusammengestellt, die einen Auszug daraus geben sollen, welche Schildkrötenart und welche Welsart gut miteinander ausgekommen sind, bzw. wo Welse dann leider auf der Speisekarte von Schildkröten gestanden sidn.

WelsWasserschildkröte 
Albino Panzerwels (Corydoras paleatus albino)Gelbwangen Schmuckschildkröte (Jungtiere) (Trachemys scripta scripta)0:0 friedliches Zusammenleben, gut strukturiertes Becken mit ca. 750 Liter
4 adulte Welse (nicht näher spezifiziert)Gelb- und Rotwangen Schmuckschildkröten0:1 für die Schildkröten Für gut 1 Jahr gab es keine Probleme, dann wurden die Welse innerhalb kürzester Zeit erjagt.
Waben-Schilderwels 30 cm (Pterygoplichthys gibbiceps)Europäische Sumpfschildkröte 5 Jungtiere ca. 8-10 cm (Emys orbicularis)0:1 für die Schildkröten  
Antennenwels (Ancistrus)Rotwangen-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta elegans)Zwei der vier Tiere ignorieren die beiden Welse, ein Tier versucht die Welse ab und an zu erwischen, ein Tier macht richtig Jagd – und war erfolgreich
Antennenwels (Ancistrus)Höckerschildkröte (Graptemys)0:1 für die Schildkröte
Antennenwels (Ancistrus)Zierschildkröte (Chrysemys)0:0 Schildkröte zeigt keinerlei Interesse an den Antennenwelsen
Antennenwels 9 cm (Ancistrus)Falsche Landkarten-Höckerschildkröte 8 cm (Graptemys pseudogeographica)0:0 Friedliches Zusammenleben; kein aggressives Verhalten, Wels und Schildkröte fressen gemeinsam.
Panzerwelse (nicht näher spezifiziert)Rotwangen-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta elegans)0:0 Großes Becken in dem die Trachemys auch Lebendfutter in Form von Guppys bekommen. Kein Thema mit den Welsen.

Manuela Kuss