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Wasserschildkröten und Krebse – geht das gut?

Manuela Kuss
Manuela Kuss

Vertragen sich Schildkröte und Krebse? Eine Frage, die in der Aquaristik immer wieder einmal auftaucht. Wir haben hier die Antwort auf diese und weitere Fragen zum Thema, sowie Erkenntnisse, die überraschen, werden zusammengefasst:

Können Wasserschildkröten und Krebse gemeinsam gehalten werden?

Wasserschildkröten und Krebse können gemeinsam gehalten werden, wenn ganz spezielle Voraussetzungen gegeben sind. Da diese jedoch zumeist unter durchschnittlichen Haltebedingungen nicht erfüllt werden können, raten wir von einer gemeinsamen Haltung ab.

Zuerst stellt sich immer die Gretchenfrage: Welche Schildkrötenart und welche Krebsart sollen vergesellschaftet werden? Handelt es sich um adulte Tiere oder um Jungtiere? Wie sind die Bedingungen vor Ort, d.h. wie groß ist das Becken und wie ist es strukturiert? Kann ich für beide Arten ideale Haltebedingungen herstellen? Und vor allem: Warum möchte ich diese beiden Arten miteinander in einem Aquarium halten?

Denn wann immer sich Tiere gegenseitig stressen oder nicht für sie ideale Haltebedingungen vorfinden (was ja auch wieder einen gewissen Grundstress widerspiegelt), so werden sie einerseits nicht ihr natürliches, artspezifisches Verhalten zeigen und andererseits leichter erkranken und verfrüht sterben.

Doch lasst uns einfach Schritt für Schritt vorgehen.

Welche Wasserschildkrötenart und welche Krebsart können theoretisch miteinander vergesellschaftet werden?

Es gibt weltweit mehrere Hundert Arten von Wasserschildkröten sowie deren Unterarten. Entsprechend unterschiedlich können deren Verhalten, Ansprüche an Haltung, Unterbringung und Futter sowie and die Wasserqualität sein. Die in der Aquaristik am meisten verbreiteten Arten stammen aus Nordamerika, Asien und Europa. Daher ist es essenziell zu wissen, welche Art man hält oder sich anschaffen möchte. Vorab sollte man sich gut über die Haltungsbedingungen von genau dieser Art erkundigen. Hierzu gibt es einige ausgezeichnete Bücher, sowie Videos oder Homepages.

Dasselbe gilt für die Krebse. Auch hier ist ein genaues einlesen in die vorhandene Literatur (Bücher und Webpages) ein absolutes Muss vor jeder Anschaffung.

Ein genaues Auflisten jeder Art würde also hier deutlich den Rahmen sprengen. Lasst uns doch daher ein paar Grundprinzipien näher in Betracht ziehen.

Viele im Aquarium gepflegten Krebse leben in der Natur in Flüssen. Diese benötigen sehr klares, sauerstoffreiches Wasser und lieben ein eher karges, steiniges Umfeld mit durchaus einer gewissen Wasserbewegung. Nicht alle Wasserschildkröten sind ausgezeichnete Schwimmer (so paradox dies nun klingen mag) und kommen daher mit vermehrter Strömung eher weniger gut zurecht.

Ebenso zu bedenken sind die Futtervorlieben der Tiere. So sind für ein Cherax Flusskrebsaquarium Herbstlaub, Brennnessel oder Löwenzahn ein essenzieller Bestandteil der Nahrung. Speziell in jungen, noch nicht adulten Jahren ernähren sich Cherax jedoch vermehrt karnivor. D.h. dass sie mit Fisch, Insektenlarven oder Schnecken gut versorgt werden sollten.

Die meisten Wasserschildkröten Arten sind zwar omnivor, also Allesfresser, wobei es einige Arten gibt, die wenig bis keine pflanzliche Kost zu sich nehmen. Hier würde dann auch ein Krebs nicht verschmäht bleiben.

Beispiele für zum großen Teil karnivore, also fleischfressende Wasserschildkröten sind:

  • Langhals Schmuckschildkröten
  • chinesische Weichschildkröten
  • Diamantschildkröten
  • Europäische Sumpfschildkröten
  • Klappschildkröten
  • Moschusschildkröten sowie
  • Tropfen- und Höckerschildkröten.

Nicht zu unterschätzen sind auch die sehr unterschiedlichen Verhaltensweisen der beiden Arten. Wasserschildkröten sonnen sich gerne und sollten die Möglichkeit haben hierbei ihren Panzer vollständig trocknen zu können, da sich sonst Krankheiten ausbilden können.

Hierbei möchten sie auch nicht gerne gestört werden. Krebse sind zwar Wasserbewohner, gehen jedoch genetisch bedingt auch gerne mal auf Reisen. Die Kraft, die die Tiere hierbei entwickeln können, um Deckel oder Steine hochzuheben sowie deren Klettergeschick, das sie an den Tag legen, ist sehr bemerkenswert. Daher sollte das Becken jedenfalls absolut ausbruchssicher gestaltet werden. Sieht nun der Krebs den Ruheplatz der Schildkröte als sein „Basislager“ für die Wanderschaftsversuche, so kommt es hier unweigerlich zum Aufeinander treffen und einer gestörten Ruhephase für die Schildkröten.

Des Weiteren ist hier zu bedenken, dass Krebse nur eine bedingte Zeit außerhalb des Wassers überleben können und ansonsten vertrocknen. Nun ist jedoch genau der Platz, an dem die Schildkröte sich sonnt für eben das gedacht: das Trocknen des Panzers durch die Wärmelampe. Hält sich nun der Krebs länger dort auf, so ist dies ein lebensgefährlicher Platz für den ihn.

Stressen sich Schildkröten und Krebse?

Wie zuvor bereits kurz beschrieben ist es ein Muss sich über die individuellen Haltungsbedingungen der jeweiligen spezifischen Unterart zu informieren.

Teilen sich der Krebs sowie die Schildkröte diese Bedingungen, zu denen unter anderem

  • Wasserqualität (Reinheit, Sauerstoffgehalt, Temperatur, pH-Wert, chemische Parameter)
  • Beckeneinrichtung (Versteckmöglichkeiten, Bepflanzung, Strömungsgeschwindigkeit, etc.)
  • Fütterung (omnivor, karnivor, herbivor; Futtermenge; Futterzeitpunkt)
  • Verhalten (tag-, dämmerungs- oder nachtaktiv; Winterruhe, Temperaturabsenkung)

gehören, so ist eine prinzipielle Vergesellschaftung möglich. Sind diese Haltungsbedingungen für eines der beiden Tiere nicht ideal, so wird das Tier einem Dauerstress ausgesetzt. Dies ist absolut zu vermeiden, da die Tiere nicht ihren natürlichen Verhaltensmustern nachgehen können und es über einen längeren Zeitraum zu Krankheiten und Verhaltensstörungen sowie unweigerlich zu einem verfrühten Tod der Tiere führt. Eine Vergesellschaftung ist dann absolut nicht zu erzwingen und sollte besser unterlassen werden.

Handelt es sich um adulte Tiere oder um Jungtiere?

Ein weiterer Punkt, der bei einer angedachten Vergesellschaftung zu beachten ist, ist die Frage, ob es sich um junge Schildkröten und junge Krebse oder um eine Mischung aus jungen und adulten Tieren handelt, sowie die Frage, wann beide Arten ausgewachsen sind.

So ist immer wieder zu beobachten, dass es bei der Vergesellschaftung zwischen größeren Krebsen wie z.B. einem Cherax Red Claw und noch jungen, kleineren Schildkröten immer wieder zu Zwischenfällen kommt. Die Krebse zwicken nach den Beinen oder dem Schwanz der Schildkröte und erwischen diese auch regelmäßig, was zu Verletzungen und definitiv zu Stress führt.

Umgekehrt werden kleinere Krebse gern als Futterhappen angesehen, speziell bei omni- oder karnivoren Wasserschildkröten Arten. Besonders schutzlos ist der Krebs während der Häutungsphase. Hierzu jedoch weiter unten bei „Was passiert, wenn der Krebs sich häutet“ mehr.

Steht der Krebs am Speiseplan der Schildkröte?

Für einige Schildkrötenarten ist diese Frage definitiv mit einem „Ja!“ zu beantworten.

Hierzu zählen unter anderem folgende Arten:

  • Langhals Schmuckschildkröten
  • Chinesische Weichschildkröten
  • Diamantschildkröte
  • Chinesische Dreikielschildkröten

Auch wenn sie sich z.B. wie die Langhals Schmuckschildkröten eher auf Fischfang spezialisiert haben, so sind sie zumindest dem Versuch den Krebs zu kosten, nicht abgeneigt.

In der Natur fressen z.B. Diamantschildkröten häufig Mollusken und Krabben. Für die Haltung in Aquarien wird daher von Spezialisten unbedingt auch die Fütterung von Schnecken, Muscheln, Tintenfisch und eben auch Krebsen sogar empfohlen.

Dasselbe gilt für die Chinesische Dreikielschildkröte, die ihren Speiseplan neben Krebsen auch um Garnelen, Krabben, Fischen oder Fröschen erweitert.

Was passiert, wenn sich der Krebs häutet?

Die Häutung des Krebses ist, gleich wie bei Garnelen, ein vollkommen natürlicher Teil des Wachstumsprozesses. Bereits vor der Häutung erhöht sich bei den Tieren der Stresspegel und sie suchen instinktiv nach einem Ort, an dem sie sich sicher fühlen.

Hast Du schon einmal eine Häutung mit ansehen können? Sehr spannend, für mich gleicht es einem Wunder und ich fiebere jedes Mal mit und es fühlt sich an, als ob man bei einer Geburt dabei ist. Für den Krebs ist dies jedoch ein gewaltiger Kraftakt, der sich über mehrere Minuten ziehen kann, das Tier sehr anstrengt und für einige Momente sehr erschöpft zurücklässt.

In dieser Phase sind die Krebse (wie auch Garnelen) sehr verletzbar und schutzlos. Wird der Häutungsprozess unterbrochen, so kann dies zum Tod des Tieres führen. Das Aushärten des neuen Panzers benötigt ein wenig Zeit, in der die Tiere vollkommen schutzlos sind, da nicht nur der harte Panzer fehlt, sondern auch die Scheren nicht zur Verteidigung eingesetzt werden können.

Wird der Krebs in dieser Phase gestresst oder gar durch hungrige Wasserschildkröten attackiert, so kann dies zu massiven Verletzungen und auch zum Tod des Tieres führen.

Wie sieht ein gut strukturiertes Krebsaquarium aus?

Oft liest man, dass „das Becken gut strukturiert sein soll“. Doch wie sieht diese Strukturierung eigentlich aus? Neben den wichtigen Versteckmöglichkeiten wie Höhlen und Nischen, der richtigen Beckengröße (von der Größe des Krebses abhängig) und der richtigen Beleuchtung (regelbar bzw. nicht zu grell) nehmen wir hier noch die 5 häufigsten Fehler, die bei der Haltung von Flusskrebsen gemacht werden, unter die Lupe. Werden bei der Wahl und Einrichtung des Krebsaquariums diese wichtigen Richtlinien beachtet, so steht der erfolgreichen Haltung und Vermehrung der Bewohner nichts im Wege.

Zu den häufigsten Fehlern bei der Krebshaltung zählen

  1. Sauerstoffmangel im Wasser
  2. Fehlerhafte Fütterung
  3. Mineralstoffmangel
  4. Kein ausbruchsicheres Becken
  5. Eingeklemmte Krebse durch Aquarieneinrichtung

Lasst uns nun diese 5 Punkte einzeln kurz beleuchten:

Fehler #1: Sauerstoffmangel im Wasser

Wie bereits eingänglich erwähnt, sind die meisten Krebse Flussbewohner. Ein Aquarium kann mit seinem geschlossenen Wasserkreislauf realistischerweise nie die in einem Fluss vorherrschenden Bedingungen nachstellen. Die pure Wassermasse, die Verwirbelungen und damit einhergehende Sauerstoffanreicherung, die konstante Nachfuhr an frischem Wasser und Mineralien und Sedimenten etc. ist einfach im Aquarium nicht gegeben.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass manche Aquarianer der Optik wegen auch ein Krebsaquarium mit vielen Pflanzen ausstatten wollen. Per se ja auch der richtige Ansatz, da Pflanzen das kleine Ökosystem stabiler machen. Jedoch was nicht bedacht wird, ist der Sauerstoffverbrauch der Pflanzen während der Nachtstunden, in denen sich die Photosynthese umkehrt. Dies ist nicht zu unterschätzen. Nicht selten kommt es vor, dass am nächsten Morgen der Krebs tot aufgefunden wird, da er schlicht und ergreifend in der Nacht erstickt ist. Krebse wandern bei Sauerstoffmangel nicht an die Wasseroberfläche, wo die Sättigung aufgrund des direkten Austausches mit der Luft noch am höchsten ist. Sie bleiben, wo sie sind – was zur Folge hat, dass sie ersticken.

Dem kann wunderbar vorgebeugt werden, indem das Becken gut belüftet wird, wobei wir hier den Aquarium-Fresher (hier) wärmstens empfehlen. Der Aquarium-Fresher ist speziell für das Bereitstellen einer guten Wasserqualität und der Sauerstoffanreicherung entwickelt worden. Es ist ein kleines Gerät, dass ins Wasser gehängt wird. Nachdem die Leistung an die Beckengröße und individuelle Wasserqualität angepasst wurde, produziert die im Aquarium-Fresher befindliche Diamantelektrode atomaren Sauerstoff. Gleichzeig fügen sich auch je zwei freie atomare Sauerstoffatome wieder zu reinem Sauerstoff, also O2, zusammen. Dieser wird feinst im Wasser verteilt und steht den Krebsen sofort zur Verfügung und ist vom Tag-Nacht-Zyklus der Pflanzen unabhängig.

Fehler #2: Fehlerhafte Fütterung

Der Mensch ist zwar ein Gewohnheitstier, der Krebs jedoch nur bedingt. Am gesündesten ernährt ist der Krebs (und auch der Mensch…) dann, wenn genügend Abwechslung und möglichst auf die Gattung abgestimmtes Futter bereitgestellt wird. Dies ist von Art zu Art und auch in den Entwicklungsjahren des Krebses unterschiedlich. Hierfür ist es am besten, einschlägige Foren zu der bevorzugten Krebsart aufzusuchen und sich in Fachliteratur einzulesen.

Prinzipiell kann gesagt werden, dass Krebse ein breites Spektrum an Pflanzen (Brennnesseln, Laub von Buchen, Eichen, Ahornbäumen, Nussbäumen oder anderen Obstbaumarten (bitte ungespritzt!), bio oder sehr gut gewaschener Kürbis, Salat, Erbsen, Gurken, etc.), aber auch eiweißhaltiges Futter wie Fisch, Larven, Schnecken, etc. sowie auch speziell hergestelltes, im Handel erhältliches Krebsfutter annehmen. Daher darf es ruhig abwechseln und kreativ sein.

Fehler #3: Mineralstoffmangel

Krebse benötigen für ihren Panzer ein hohes Maß an Mineralien, die sie zur Aushärtung einlagern. Diese sollen auch immer genügend vorhanden sein, da die Häutungen idealerweise in regelmäßigen Abständen stattfinden. Daher ist es sinnvoll, einerseits öfters Wasserwechsel einzuplanen, um den Mineralienverbrauch auszugleichen, andererseits kann durch kalkhaltiges Gestein das Wasser etwas aufgehärtet werden. Hierzu bieten sich z.B. Lochsteine gut an, die außerdem dem Krebsnachwuchs als Versteckmöglichkeiten dienen.

Fehler #4: kein ausbruchsicheres Becken

Krebse mögen etwas plump wirken, jedoch sind sie wahre Kletterkünstler und Ausbruchmeister. Alles, auch Kabel oder Pflanzenteile werden erklommen. Daher ist die Einrichtung des Beckens so zu wählen, dass sie nicht durch Wurzelteile etc. hinaus klettern können. Das ist auch ein Grund, wieso die Vergesellschaftung mit Wasserschildkröten nur sehr bedingt sinnvoll ist, da hier eine gut erklimmbare Plattform zum Sonnen/trocknen des Panzers ein absolutes Muss ist.

Ebenso ist die Kraft der Krebse nicht zu unterschätzen! Selbst ein beschwerter Deckel ist schnell aufgehoben und durch einen noch so kleinen Spalt, ist der Körper schnell hindurchgezwängt. Speziell bei größeren Krebsen darf auch die Kraft beim „Umdekorieren“ des Aquariums nicht unterschätzt werden. Krebse graben auch gerne und nicht selten schon ist es passiert, dass dadurch die Scheibe Risse bekommen hat (punktuelle Belastung durch z.B. einen verschobenen Stein). Einen Profitipp hierzu findest Du unter Punkt #5, weiter unten im Artikel. Dies kann durch zusätzlich innen eingebrachtes Plexiglas oder ankleben der Aquarium-Dekoration vermieden werden.

Wird ein Krebs neu in ein Becken eingesetzt, so wird erst alles bis ins Detail erkundet – hierbei gehen die Krustentiere speziell gerne auf Wanderschaft. Hat ein Krebs es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen geschafft, das Aquarium zu verlassen so ist folgendes Wichtig:

Erste Hilfe bei einem am Boden liegenden, reglosen Krebs ist erstmal das Tier NICHT als tot zu betrachten und es NICHT sofort wieder ins Wasser zu schmeißen. Oft sind die Kiemen an- oder eingetrocknet, der Krebs lebt jedoch noch. Wird er, ohne die Kiemen sanft wieder zu befeuchten, ins Wasser gelegt, ertrinkt er. Daher sind die Kiemen erstmals wieder anzufeuchten. Hierfür am besten einen großen Kübel oder eine Schüssel mit ca. 2cm Aquarium-Wasser befüllen und schräg stellen, sodass der Krebs maximal halb mit Wasser bedeckt ist. Ist der Krebs noch am Leben, werden sich die Mundwerkzeuge bald wieder bewegen. Bewegt sich der Krebs kein bisschen, so diesen vorsichtig auf den Rücken drehen, sodass eventuell im Kiemenraum enthaltene Luft entweichen kann. Nicht gleich aufgeben und geduldig sein ist die Devise! Außerdem den Krebs weiterhin beobachten.

Fehler #5: Eingeklemmte Krebse durch Aquarieneinrichtung

Ideale Versteckmöglichkeiten für Krebse sind Wurzeln, übereinander gelegte Steine, die Höhlen bilden, Tonhöhlen etc. Hierbei ist darauf zu achten, dass nicht nur Höhlen in verschiedenen Größen, sondern auch mehrere Höhlen pro Tier angeboten werden. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist ein großzügiger Bereich mit gut 5cm tiefem Kies oder Sand, in denen die Krebse ihrem Trieb fürs Graben nachkommen können. Sie sind den ganzen Tag am Werken und lassen sprichwörtlich keinen Stein auf dem anderen.

Sind daher die Einrichtungsgegenstände nicht ausreichend fest ineinander verkeilt, so kann es leicht passieren, dass die Aquarium-Einrichtung einstürzt und dabei den Krebs unter sich einklemmt. Nicht selten führt dies zum Tod des Krebses. Ein weiteres Thema hierbei sind dann die Schäden an der Aquariumscheibe. Eine schnelle punktförmige Belastung, ein kleines „Knack“ und schon ist der Haarriss in der Scheibe und das Wasser kann heimlich still und leise auslaufen und dabei erheblichen Schaden an der eigenen Wohnung, sowie auch bei den darunter liegenden Räumlichkeiten anrichten.

Profitipp: Frage bei Deiner Haushaltsversicherung nach, ob Wasserschäden durch Aquarien mitversichert sind. Falls nicht, lass Dir den Passus explizit mit in die Versicherungspolizze geben. Meist kostet dies nichts extra und ist mit einem Telefonat oder kurzem Schreiben erledigt. So ein Schaden kann schnell sehr teuer werden, wenn Böden zu tauschen sind, verlegte Bodenheizungen Schaden nehmen, oder die darunter liegenden Wände professionell getrocknet werden müssen.

Um ein Einstürzen oder ein vom Krebs vorgenommenes komplettes Umdekorieren der Einrichtung zu verhindern, ist es ratsam, Steine und Wurzeln miteinander zu verkleben. Richtest Du das Becken komplett neu ein, so lass Dir am besten eine Plexiglasplatte zuschneiden, auf die Du dann Steine und Wurzeln nach Deinem Geschmack schlichtest und mit Aquariumsilikon oder einem anderen geeigneten Kleber verklebst. Bitte verwende hierfür eigens für Aquarien getestetes Material, da sonst der Kleber Schadstoffe an das Wasser abgeben kann und Deine Tiere gefährdet. Richtest Du Dein Becken nicht neu ein, dann nimm dennoch die Steine heraus, trockne und verklebe sie und setze sie danach wieder ein.

Beispiele für Vergesellschaftungen von Krebsen und Schildkröten

Zwicken oder verletzten Krebse Schildkröten? Sind Schildkröten für Krebse gefährlich? Kann man Schildkröten und Krebse zusammenhalten?

Prinzipiell können diese Fragen mit „Jein, jein, und jein.“ beantwortet werden. Ob die Vergesellschaftung gut geht, ist von mehreren Faktoren abhängig. Konkrete, reale Praxis-Beispiele aus der Literatur sowie aus Gesprächen sind hier für euch zusammengetragen:

KrebsWasserschildkröte 
Blauer Rotscheren-Tigerkrebs (Cherax alyciae „Red Claw“)Rotwangen Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans)1:0 für den Krebs
Roter Amerikanischer Sumpfkrebs (Procambarus clarkii)Höckerschildkröte (Graptemys)0:1 für die Schildkröte
Blauer Floridakrebs (Procambarus alleni)Gelbwangen Schmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta)0:1 für die Schildkröte
Australischer Rotscherenkrebs (8cm) (Cherax Quadricarinatus)Gelbwangen Schmuckschildkröte (ausgewachsen) (Trachemys scripta scripta)0:1 für die Schildkröte
Marmorkrebse (procambarus fallax forma virginalis)Moschusschildkröte (Sternotherus odoratus)0:0 – friedliches Zusammenleben, gut strukturiertes, sehr großes Becken
Orangener Zwergflusskrebs, CPO (cambarellus patzcuarensis „orange“)Höckerschildkröte (Graptemys)0:0 – friedliches Zusammenleben, obwohl anfangs die Schildkröte versuchte den Krebs zu jagen, dann jedoch auf das „einfachere“ Futterangebot zurückgegriffen hat.
Marmorkrebse (procambarus fallax forma virginalis)Diamantschildkröte (Malaclemys terrapin)0:1 für die Schildkröte (Krebs-nachzuchten als Lebend-Futter)
Florida HummerChinemys reevesi Emys orbicularis0:0 schon als Jungtiere gemeinsam im Becken; sehr großes und sehr gut strukturiertes Becken
Marmorkrebse (adult)Jungschildkröten1:0 für den Krebs: dieser jagte die Jungen und zwickte sie in die Beine und den Schwanz
MangrovenkrabbeMoschusschildkröte0:1 für die Schildkröte
Cherax destructor (Yabby)Moschusschildkröte, nicht adult1:0 für den Cherax
Cherax Red BrickGelbwangen Schmuckschildkröte0:1 für die Schildkröte

Welche Tiere vertragen sich mit Wasserschildkröten?

Du möchtest anstelle eines Krebses andere Tiere mit Deiner Schildkröte vergesellschaften?

Hier findest Du eine Aufzählung an Tieren, die sich gut mit Wasserschildkröten vertragen. Bitte prüfe dennoch in jedem einzelnen Fall, um welche Art von Schildkröte und welche Art von Tier es sich handelt, die Du zusammen pflegen möchtest. So stimmt es prinzipiell, dass sich Salmler gut mit Wasserschildkröten vergesellschaften lassen, Neon Salmler jedoch hier aufgrund der benötigten Wasserwerte (Temperatur, pH-Wert etc.) eine Ausnahme bilden.

  • Garnelen
  • Stahlhelmschnecken, Anthrazit-Napfschnecken
  • Kleinbleibende Krebsarten, abgestimmt auf die Schildkröten
  • Welse, sofern sie genügend Futter bekommen
  • Flinke Freischwimmende Fische wie Salmler oder Bärblinge

Diese Tiere werden von vielen Schildkröten Arten als Futter angesehen und werden daher vermutlich nicht lange in Deinem Aquarium zu finden sein.

  • Krebse
  • Schnecken
  • Frösche
  • Molche
  • Salamander
  • Axolotl
  • Goldfische
  • Kampffische
  • Fischformen mit Schleierfortsätzen (langen Schwanzflossen) wie Skalare, Fadenfische, etc.
  • Panzerwelse

Zusammenfassend ist festzustellen, dass Garnelen um einiges besser für die Vergesellschaftung mit Wasserschildkröten geeignet sind, als Krebse. Garnelen sind um einiges flinker und mehr auf der Hut als Krebse, und auch um einiges kleiner. Dadurch können sie seltener von Wasserschildkröten erhascht werden und finden schneller Versteckmöglichkeiten. Wasserschildkröten verlieren dann meist schnell bei guter, ausgewogener Fütterung das Interesse und ein friedliches Miteinander ist möglich. Garnelen oder Schnecken im Becken zu haben hat außerdem den Vorteil, dass Futterreste sowie Aufwuchs wie Algen gut verwertet werden. Dies hält die Wasserqualität stabiler. Dennoch ist eine gute Filterung sowie eine gute, ausreichende Belüftung des Beckens sehr empfehlenswert um stinkendem, trüben und veralgten Becken vorzubeugen.

Daher empfehlen wir für Krebsaquarien sowie auch für die Haltung von Wasserschildkröten den Aquarium-Fresher (mehr Informationen hier). Der Aquarium-Fresher entzieht nachweislich den Algen die Nährstoffgrundlage und hemmt dadurch das Wachstum der Algen und hilft die im Wasser befindliche Organik schneller abzubauen. D.h. in Wasser und Kohlendioxid umzuwandeln. Gleichzeitig wird frischer Sauerstoff in das Wasser eingebracht, was erheblich die Wasserqualität steigert.

Manuela Kuss