Der Weltwassertag (offiziell: World Water Day) macht jedes Jahr am 22. März auf eine der größten globalen Herausforderungen aufmerksam: die weltweite Wasserknappheit und den fehlenden Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Während in Industrieländern sauberes Wasser selbstverständlich ist, haben weltweit mehr als 2 Milliarden Menschen keinen regelmäßigen oder sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser, wie Berichte von UNICEF und anderen UN-Quellen zeigen. Je nach Definition – ob es sich um eine Grundversorgung oder um sicheren Zugang zu Wasser handelt – betrifft dies etwa jeden vierten bis zehnten Menschen.

Genauer betrachtet fehlt rund 2,2 Milliarden Menschen der Zugang zu sicherem und sauberem Wasser. Noch gravierender ist die Situation bei der Grundversorgung: Etwa 700 bis 785 Millionen Menschen – das sind ca. 10% der Weltbevölkerung – haben nicht einmal minimalen Zugang zu Wasser und müssen häufig mehr als 30 Minuten laufen, um Wasser zu beschaffen.
Doch Wasserknappheit ist nicht nur ein Umweltproblem.
Sie ist auch eine soziale und geschlechterspezifische Herausforderung.
Wasser und Geschlechtergerechtigkeit – das Motto des Weltwassertags
Unter dem diesjährigen Motto „Wasser und Geschlecht“ rückt der Weltwassertag deshalb das Problem in den Fokus, wie eng Wasserzugang und Geschlechtergerechtigkeit miteinander verbunden sind – denn in vielen Regionen tragen vor allem Frauen und Mädchen die Verantwortung für die Wasserversorgung, sind von fehlender Infrastruktur besonders betroffen und haben zugleich oft weniger Mitspracherecht bei wasserpolitischen Entscheidungen.
Warum Frauen besonders von der Wasserkrise betroffen sind
Die Statistik trägt ein klares Gesicht, nämlich jenes von Frauen und Mädchen. Weltweit sind diese für ca. 75 % der Wasserbeschaffung verantwortlich. Jeden einzelnen Tag verbringen sie kollektiv unglaubliche 200 bis 250 Millionen Stunden damit, Wasser zu holen. Durch die Klimakrise steigt diese Zahl sogar noch weiter.
Diese Zeit fehlt für Bildung, Erwerbsarbeit oder Erholung. Sauberes Wasser bedeutet, dass Mädchen und Frauen Ihre Zeit sinnvoller nutzen können, als kilometerweit schwere Kanister zu schleppen. Wenn wir den Zugang zu Wasser verbessern, investieren wir also direkt in die Gleichberechtigung. Wasserknappheit ist damit nicht nur ein ökologisches oder infrastrukturelles Problem – sie ist auch ein massives Gleichstellungsproblem. Zugang zu sauberem Wasser bedeutet:
✔ Mehr Bildungschancen für Mädchen
✔ Wirtschaftliche Unabhängigkeit für Frauen
✔ Weniger gesundheitliche Risiken
✔ Mehr Stabilität für ganze Gemeinschaften
✔ Mehr politische Teilhabe und Selbstbestimmung
Wasserrechte sind Frauenrechte. Wer Wasser zum Haushalt bringt, trägt die Verantwortung für die Gesundheit der gesamten Familie.
Wasserversorgung in Afrika – Infrastruktur und Realität
Rund 10 % der Weltbevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und müssen häufig kontaminiertes Wasser trinken.
In vielen ländlichen Regionen Afrikas fehlt sogar die grundlegende Wasserinfrastruktur. Menschen sind auf unsichere Quellen wie offene Brunnen, Flüsse oder saisonale Wasserstellen angewiesen.
Diese Situation gefährdet besonders Kinder, da verunreinigtes Wasser Krankheiten wie Durchfall, Cholera oder Typhus übertragen kann.
Klimawandel verschärft den globalen Wassermangel
Die Situation wird durch extreme Wetterereignisse verschärft. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel: Klimawandel und Wasserversorgung: Wie Extremwetter unsere wichtigste Ressource bedroht. Hitzewellen lassen Böden betonhart werden, woraufhin heftige Monsunregen zu verheerenden Fluten führen – wie wir es 2022 in Pakistan sahen, wo 33 Millionen Menschen betroffen waren.
Das Paradoxe: In der Flut fehlt es an Trinkwasser. Überschwemmungen kontaminieren Brunnen und Leitungen mit Krankheitserregern wie Cholera oder Typhus. Hier schlägt die Stunde für Lösungen, die schnell, autark und effizient funktionieren.
Ein Problem, das nach einer Lösung verlangt – DWDU Africa macht sie möglich.
Genau hier setzt unser Forschungsprojekt an. 2019 startete pro aqua im Auftrag der Guerilla Foundation das Projekt: „Drinking Water Disinfection Unit – Africa“ (DWDU Africa)

Das Ziel war die Entwicklung einer kostengünstigen, nachhaltigen Wasseraufbereitungslösung für Regionen mit eingeschränkter Infrastruktur. Im Fokus stand eine dezentrale Trinkwasseraufbereitung in Afrika, die robust, effizient und bezahlbar ist.
Projektanforderungen
- Auslegung für die Versorgung von bis zu 5 Haushalten pro Einheit
- Aufbereitung von ca. 100 Litern Trinkwasser pro Tag
- Gerätekosten unter 500 €
- einfache Montage vor Ort
- unkomplizierte Wartung
- autarke Energieversorgung
Der Weg zur Lösung: Technik trifft auf Natur
Im Laufe des Projekts lernten wir, dass die Natur manchmal die besten Antworten gibt. Unsere ersten Versuche mit Feinfiltern scheiterten – sie verblockten zu schnell und das Wasser wurde nicht ausreichend genug gefiltert. Die Lösung? Ein klassischer Sandfilter, den wir dem System vorschalteten. Doch „Sand ist nicht gleich Sand“!
Die richtige:
- Korngrößenzusammensetzung
- Durchflussrate
- Filtrationseffizienz
musste in zahlreichen Tests bestimmt werden. Das Konzept wurde angepasst und somit verbessert!
Das Herzstück: Die pro aqua-Zellen
Nach erfolgreicher mechanischer Reinigung folgte der nächste Schritt: die optimale Desinfektion.
Im Fokus standen zwei zentrale Fragen:
- Wie viele Elektrolysezellen werden benötigt?
- Wie müssen sie positioniert werden, um maximale Effizienz zu erreichen?
Nach intensiver Testphase wurde die ideale Konfiguration gefunden:
pro aqua-Zellen vor und nach dem Vorratstank.

Betrieben wird das System über eine kleine Photovoltaik-Zelle, die eine Batterie lädt.
Das bedeutet:
- autarke Energieversorgung
- Betrieb auch bei Schlechtwetter
- kein Anschluss an Stromnetze notwendig
Eine robuste Lösung für Regionen mit instabiler Infrastruktur.
Die Entwicklung der DWDU Africa war ein Prozess voller wertvoller Erkenntnisse – von der ersten Skizze bis zum Einsatz unter realen Bedingungen. In unserem weiterführenden Artikel finden Sie mehr Informationen zur DWDU Africa, den genauen technischen Aufbau sowie alle Informationen zur Funktionsweise dieses autarken Systems.
Hier geht es zum Artikel: Der Aufbau der DWDU Africa im Detail
Fazit: Diamond Moments für eine gerechtere Welt
Sauberes Wasser ist kein Luxusgut, sondern ein Menschenrecht. Mit Projekten wie DWDU Africa zeigen wir, dass unsere Bor-dotierten Diamant-Elektroden nicht nur in der Industrie, sondern auch im Kampf gegen globale Ungleichheit einen echten Unterschied machen können.
Wenn wir Frauen die Last der Wasserbeschaffung abnehmen und ihnen sicheres Wasser zur Verfügung stellen, verändern wir nicht nur ihre Gesundheit, sondern ihre gesamte Zukunft.
Lasst uns diesen Weltwassertag nutzen, um nicht nur über Wasser zu sprechen, sondern darüber, was sauberes Wasser für Menschen bedeutet: Gesundheit, Würde und Zukunft.
Quellen:
https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/drinking-water
https://www.unwater.org/water-facts/water-and-gender
https://www.unwater.org/water-facts/water-and-gender
https://www.charitywater.org/global-water-crisis
https://www.who.int/health-topics/water-sanitation-and-hygiene-wash
https://www.bmluk.gv.at/service/veranstaltungen/wasser/weltwassertag.html
https://www.unicef.org/take-action
Bilder DWDU Africa – GreenWorldTecknology, Jack Coker
Imagebilder: KI generiert