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Wie Technologie Verantwortung übernimmt: Die DWDU Africa im Fokus

Bild von Christina Hornbacher
Christina Hornbacher

Wasser ist die Grundlage für alles – Gesundheit, Bildung und wirtschaftliche Entwicklung. Doch während sauberes Trinkwasser in vielen Teilen der Welt eine Selbstverständlichkeit ist, bleibt es für Milliarden Menschen ein täglicher Überlebenskampf. Besonders Frauen und Mädchen tragen die Last der Wasserbeschaffung.

Die Zahlen sind alarmierend: Während 2,2 Milliarden Menschen keinen gesicherten Zugang zu sauberem Wasser haben, fehlt rund 700 bis 785 Millionen Menschen sogar die einfachste Grundversorgung. Dies betrifft jeden zehnten Menschen weltweit. Die Konsequenz sind oft tägliche Wege von über 30 Minuten, die vor allem Frauen und Mädchen bewältigen müssen, um überhaupt an Wasser zu gelangen. Jeden einzelnen Tag verbringen sie kollektiv unglaubliche 200 bis 250 Millionen Stunden damit, Wasser zu holen. Durch die Klimakrise steigt diese Zahl sogar noch weiter.

Genau hier setzt die DWDU Africa (Drinking Water Disinfection Unit) an. Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, wie pro aqua Technologie nutzt, um soziale Verantwortung in reale Lösungen zu verwandeln.

Die Mission: Ein Menschenrecht dezentral sichern

Das Projekt DWDU Africa wurde 2019 ins Leben gerufen, um eine der größten globalen Herausforderungen anzugehen: den fehlenden Zugang zu sicherem Wasser in entlegenen Regionen. Im Auftrag der Guerilla Foundation entwickelten wir eine Lösung, die klare Kriterien erfüllen musste:

  • Auslegung für die Versorgung von bis zu 5 Haushalten pro Einheit
  • Aufbereitung von ca. 100 Litern Trinkwasser pro Tag
  • Gerätekosten unter 500 €
  • einfache Montage vor Ort
  • unkomplizierte Wartung
  • autarke Energieversorgung

Das Hauptziel war eine dezentrale Einheit, die direkt in den Communities stationiert werden kann, um dort die lebensgefährliche Belastung durch Bakterien und Viren zu eliminieren.

Forschung mit Weitblick: Die Herausforderungen

Innovation entsteht selten auf geradem Weg. Während der Entwicklungsphase der DWDU Africa stießen wir auf spezifische Herausforderungen, die Lösungen abseits der industriellen Standards erforderten.

Erste Versuche mit hochfeinen Membranfiltern erwiesen sich als unpraktikabel, da diese unter den Bedingungen vor Ort zu schnell verblockten. Die Lösung war eine Rückbesinnung auf ein bewährtes Konzept kombiniert mit moderner Elektronik: Ein optimierter Sandfilter. Wir mussten die exakte Korngröße und Schichthöhe definieren, um Trübstoffe effizient zu entfernen, ohne die Wartungsintervalle zu verkürzen. Auch die energetische Optimierung war entscheidend: Wie erreichen wir mit minimaler Solarenergie eine maximale Desinfektionsleistung?

Die Erkenntnis, dass man mit einfachen Naturmaterialien wie Sand zu sehr guten Ergebnissen kommt, hat mich sehr beeindruckt!

Mag. Tatjana Schweiger | Projektleiterin DWDU Africa

High-Tech im Einsatz: Was die DWDU Africa leistet

Das Herzstück der Anlage sind unsere pro aqua Zellen.

Anstatt das Wasser mit Chlor oder anderen Chemikalien zu versetzen, nutzt die DWDU Africa das Prinzip der Wasserelektrolyse. Die pro aqua-Elektroden spalten Wassermoleküle auf und erzeugen direkt im Wasser hochaktive Oxidationsmittel, die Krankheitserreger vernichten. Das System liefert ca. 100 Liter reinstes Trinkwasser pro Tag – genug, um bis zu fünf Haushalte zuverlässig zu versorgen.

Die technischen Komponenten im Detail

1. Der Vorfilter:
Ein entnehmbarer Eimer mit spezieller Perforation dient als erste Filterstufe der DWDU. Er hält grobe Rückstände zuverlässig zurück und kann nach der Nutzung einfach entnommen und von den Nutzer:innen gereinigt werden.

2. Der Sandfilter:
Der Sandfilter befreit das Wasser von restlichen Schwebstoffen und Trübung. Das System arbeitet rein durch Schwerkraft: Das gefilterte Wasser sammelt sich am Boden des Tanks, bereit für den nächsten Schritt.

3. Der Durchflussmesser (Flow Meter 1):
Der erste Durchflussmesser registriert das einfließende, Wasser und gibt ein Signal an das Control Panel weiter, um die erste Elektrolysezelle zu aktivieren.

4. Die erste Elektrolysezelle (Flow Cell 1):
In dieser Zelle werden mithilfe von pro aqua-Elektroden Keime direkt unschädlich gemacht und gleichzeitig Oxidationsmittel gebildet, die im Tank die restlichen Krankheitserreger und Viren vernichten.

5. Der Vorratstank:
Das gereinigte Wasser wird anschließend in einem 100-Liter-Tank gespeichert, wo es für die sofortige Entnahme durch die Verbraucher:innen bereitsteht.

6. Der Sicherheits-Sensor (Flow Meter 2):
Sobald Wasser am Hahn entnommen wird, erfasst der zweite Durchflussmesser die Bewegung und aktiviert die zweite Elektrolysezelle.

7. Die finale Desinfektion (Flow Cell 2):
Die zweite Zelle ist identisch mit der ersten und dient als zusätzliche Sicherheitsstufe. Dieses „Double-Layer“-Prinzip bietet doppelten Schutz und eliminiert auch Krankheitserreger, die eventuell während der Lagerung im Tank eingetragen wurden.

Mit einem Baukastensystem zum Trinkwasser – Die DWDU Africa im Einsatz

Die DWDU Africa ist auf einem stabilen Aluminium-Rahmen modular aufgebaut und folgt einem simplen, aber hocheffektiven Ablauf, der die Sicherheit der Nutzer:innen an erste Stelle setzt.

Der 4-Schritte-Prozess der DWDU Africa

Um eine zuverlässige Wasserversorgung in entlegenen Regionen zu garantieren, haben wir einen modularen Ablauf geschaffen. In vier klaren Schritten sorgt das System dafür, dass gefährliche Keime keine Chance haben und die Bedienung für die Menschen vor Ort so intuitiv wie möglich bleibt:

1. Filtration:
Ein grober Vorfilter und ein spezieller Sandfilter-Tank zur mechanischen Reinigung.

Der Prozess beginnt ganz unkompliziert: Die Nutzer:innen füllen das verunreinigte Wasser oben in den Vorfilter, der auf dem Tank sitzt. Dank einer speziellen Perforation im Boden fungiert dieser Vorfilter als erste Barriere, die grobe Verunreinigungen und Ablagerungen zuverlässig zurückhält. Zur Reinigung kann er mit einem Handgriff entnommen und geleert werden.
Der darunterliegende Tank bildet die zweite, mechanische Filterstufe. Rein durch die natürliche Schwerkraft sickert das Wasser hier durch eine tiefe Sandschicht, die selbst kleinste Schwebstoffe bindet. Wenn die Flüssigkeit diesen Tank verlässt, ist sie bereits optisch klar und bereit für die anschließende Desinfektion mittels pro aqua-Zellen.

2. Desinfektion:
Das Control-Panel beherbergt zwei Durchflusszellen (unsere pro aqua-Elektrolysezellen).

Nachdem das Wasser den Filtrationstank verlassen hat, passiert es einen Durchflussmesser. Dieser gibt einen präzisen Impuls an die Elektrolysezelle weiter, die sich daraufhin automatisch aktiviert.
Während das Wasser die Elektroysezelle durchströmt, werden im Wasser Oxidationsmittel erzeugt. Dieser Prozess ist absolut sicher und desinfiziert das Wasser zuverlässig von Krankheitserregern. So wird aus optisch klarem Wasser sicheres Trinkwasser, ganz ohne die Zugabe umweltschädlicher oder gesundheitsgefährdender Chemikalien.

3. Speicherung:
Ein 100-Liter-Tank sorgt für einen Puffer, damit Wasser jederzeit verfügbar ist.

Das nun filtrierte und desinfizierte Wasser fließt im nächsten Schritt in den blauen Vorratstank. Mit einem Fassungsvermögen von bis zu 100 Litern stellt dieser sicher, dass jederzeit genügend sauberes Trinkwasser für den sofortigen Gebrauch bereitsteht.
Über einen Deckel an der Oberseite des Tanks behalten die Nutzer:innen stets den Überblick: Er lässt sich leicht öffnen, um den aktuellen Füllstand zu prüfen und sicherzustellen, dass die Gemeinschaft optimal versorgt ist.

4. Doppelte Sicherheit:
Um die Trinkwasserqualität zu garantieren, kommt unterhalb des Vorratstanks eine zweite pro aqua-Elektrolysezelle zum Einsatz.

Sobald Nutzer:innen den Wasserhahn öffnen, um Wasser zu entnehmen, strömt die Flüssigkeit durch diese zweite Zelle und wird ein weiteres Mal desinfiziert. Dieses Prinzip der ‚doppelten Sicherheit‘ stellt sicher, dass jeder Tropfen desinfiziert wurde, auch wenn das Wasser zuvor einige Zeit im Tank gelagert wurde. Eine Photovoltaik-Zelle und eine Pufferbatterie ermöglichen den komplett netzunabhängigen Betrieb.


Fazit: Technologie als Hebel für Gleichberechtigung

Die DWDU Africa ist weit mehr als ein technisches Gerät – sie ist ein Werkzeug für gesellschaftlichen Wandel. Indem wir eine sichere und chemikalienfreie Desinfektion direkt in den Gemeinschaften ermöglichen, bekämpfen wir die Ursache vieler schwerer Krankheiten genau dort, wo sie entstehen.

Der entscheidende Faktor ist die Prävention: Sauberes Trinkwasser schützt Familien vor wassergebundenen Infektionen, die oft langwierig und lebensgefährlich sind. Da die Pflege kranker Angehöriger in vielen Kulturen fast ausschließlich von Frauen und Mädchen geleistet wird, schenkt die DWDU Africa ihnen eine neue Form von Freiheit denn wir geben ihnen ein Stück vom Kostbarsten zurück, was sie haben: Zeit. Zeit für Bildung, Zeit für Erwerbsarbeit und Zeit für ein selbstbestimmtes Leben.

Kann ein Schluck sauberes Wasser die Welt verändern? Ja, besonders für Frauen und Mädchen. Entdecken Sie in unserem Blogartikel zum Weltwassertag die tiefe Verbindung zwischen Wasserversorgung, Bildung und Gleichberechtigung.
Weltwassertag 2026: Wasser ist Leben – und für Millionen Frauen täglicher Überlebenskampf


Quellen:
Grafiken: Jack Coker
Titelbild: KI generiert
GreenWorldTecknology
https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/drinking-water
https://www.unicef.org/wash