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PFAS im Körper: Wie gefährlich sind die Ewigkeitschemikalien für unsere Gesundheit?

Titelbild PFAS Gesundheit
Bild von Christina Hornbacher
Christina Hornbacher

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS, sind in aller Munde. In den Medien und der Wissenschaft werden sie oft als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Der Grund dafür sind ihre chemischen Strukturen: Die extrem stabilen Kohlenstoff-Fluor-Bindungen sorgen dafür, dass diese Stoffe in der Umwelt und auch im menschlichen Organismus nahezu unzerstörbar sind.

Doch wie gelangen PFAS in den Körper, welche gesundheitlichen Folgen hat das und wie wird man die Schadstoffe wieder los? Ein wissenschaftlich fundierter Überblick.

Wie gelangen PFAS in den menschlichen Organismus?

Die Aufnahme von PFAS in den Körper erfolgt laut Berichten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und des deutschen Umweltbundesamtes (UBA) hauptsächlich über drei alltägliche Wege:

  • Trinkwasser und Nahrung (Hauptaufnahmeweg): PFAS reichern sich über kontaminierte Böden und Gewässer in der Nahrungskette an. Besonders betroffen sind Fisch, Fleisch, Milchprodukte sowie Gemüse aus belasteten Regionen.
  • Verbraucherprodukte: Ob fettabweisende Lebensmittelverpackungen (z.B. Fast-Food-Kartonagen), beschichtetes Kochgeschirr (Teflon) oder wasserabweisende Outdoor-Kleidung – im Alltag kommen wir ständig mit PFAS in Kontakt.
  • Hausstaub und Luft: Durch den Abrieb von Teppichen, Polstermöbeln oder Imprägnierungssprays gelangen PFAS-Partikel in die Raumluft und werden eingeatmet.

Wo lagern sich PFAS im Körper ab?

Im Gegensatz zu klassischen Umweltgiften wie Dioxinen oder PCB, die sich im Fettgewebe anreichern, verhalten sich PFAS anders. Sie sind sowohl fett- als auch wasserabweisend (lipophob und hydrophob).

Eine wegweisende Untersuchung zur Gewebeverteilung von Forsthuber et al. im Fachmagazin Environmental Science & Technology zeigt, dass sich PFAS im Körper hochgradig an Proteine binden – insbesondere an das Blutprotein Albumin. Sie lagern sich deshalb primär in gut durchbluteten Organen und Geweben ab:

  1. Im Blut (Blutserum)
  2. In der Leber
  3. In den Nieren

Extreme Halbwertszeit: Warum bleibt PFAS so lange im Mensch?

Weil der menschliche Organismus PFAS biologisch kaum abbauen kann, werden die Stoffe in den Nieren nach der Filterung zu einem großen Teil wieder zurück ins Blut geleitet (Rückresorption).

Groß angelegte Langzeituntersuchungen, wie die schwedische Studie von Li et al., belegen, dass die biologische Halbwertszeit – also die Zeit, die der Körper braucht, um die Hälfte der aufgenommenen Menge wieder auszuscheiden – Jahre bis Jahrzehnte dauert:

PFAS-VerbindungBiologische Halbwertszeit beim Menschen
PFOA (Perfluoroctansäure)ca. 3,5 bis 8 Jahre
PFOS (Perfluoroctansulfonsäure)ca. 4 bis 5 Jahre
PFHxS (Perfluorhexansulfonsäure)ca. 8 bis 15 Jahre

Besonderheit bei Frauen: Frauen scheiden PFAS im Schnitt etwas schneller aus als Männer. Allerdings geschieht dies primär über die Menstruation, die Schwangerschaft (über die Plazenta) und die Muttermilch beim Stillen. Daten des europäischen Biomonitoring-Projekts HBM4EU zeigen, dass die Schadstoffe dabei unabsichtlich an das Kind weitergegeben werden.

PFAS Wirkung: Welche gesundheitlichen Risiken gibt es?

Die chronische Belastung mit PFAS im Körper wird intensiv erforscht. Das wissenschaftliche Gremium der EFSA hat die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (TWI) in den letzten Jahren drastisch gesenkt. Folgende gesundheitliche Risiken gelten als wissenschaftlich gut belegt:

  • Schwächung des Immunsystems: PFAS verringern nachweislich die Antikörperantwort nach Impfungen, insbesondere bei Kindern.
  • Gestörter Fettstoffwechsel: Eine hohe PFAS-Konzentration im Blut korreliert mit erhöhten Cholesterinwerten (insbesondere LDL-Cholesterin).
  • Hormonelle Störungen: PFAS können die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen und zu erhöhtem Leberstress (erkennbar an steigenden Leberenzymwerten) führen.
  • Einfluss auf die Schwangerschaft: Studien zeigen einen Zusammenhang mit einem verringerten Geburtsgewicht bei Neugeborenen.
  • Erhöhtes Krebsrisiko: Die Krebsforschungsagentur der WHO (IARC) hat die PFAS-Verbindung PFOA offiziell in die Gruppe 1 („krebserregend für den Menschen“) hochgestuft. Sie steht unter anderem im Verdacht, Nieren- und Hodenkrebs zu begünstigen.

PFAS ausleiten: Kann man den Körper entgiften?

Die große Frage, die sich nun stellt ist, ob man PFAS irgendwie loswerden kann. Rausschwitzen, rausfasten, raussaunieren oder vielleicht durch spezielle Medikamente? Die klare Antwort der Medizin lautet derzeit: Nein, es gibt kein etabliertes medizinisches Verfahren zur schnellen Entgiftung. Da die Chemikalien nicht im Fettgewebe sitzen, helfen weder Heilfasten, Diäten noch Saunagänge. Bei Gewichtsverlust werden die Stoffe oft sogar mobilisiert und belasten den Blutkreislauf temporär stärker.

Die beste Strategie: Neuaufnahme stoppen

Die einzige wirksame Maßnahme ist die konsequente Vermeidung einer Neuaufnahme. Wenn keine neuen Schadstoffe nachkommen, baut der Körper die vorhandene Last über Jahre hinweg extrem langsam von selbst ab.

Das Umweltbundesamt und unabhängige Wasserforscher:innen empfehlen bei lokaler Belastung den Einsatz von zertifizierten Aktivkohleblockfiltern oder Umkehrosmose-Anlagen im Haushalt, da diese Verfahren PFAS hocheffektiv aus dem Trinkwasser filtern können. Zudem sollte beim Kauf von Alltagsprodukten (Pfannen, Textilien, Kosmetik) gezielt auf das Label „PFAS-frei“ geachtet werden.

Möchten Sie mehr zum Thema wissen? Lesen Sie gerne auch folgende Artikel:


Quellen:

  • Hauptaufnahmewege & TWI-Grenzwerte:

EFSA Journal 2020;18(9):6223 – Risk to human health related to the presence of perfluoroalkyl substances in food

  • Verbraucher-Informationen des Bundes:

Umweltbundesamt (UBA): Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFAS)

  • Proteinbindung im Gewebe:

Environmental Science & Technology (2020): Accurate Prediction of PFAS Tissue Distribution in Humans

  • Studie zu den biologischen Halbwertszeiten:

Environmental Health Perspectives (2018): Half-lives of PFOS, PFOA, and PFHxS after elimination of contaminated drinking water

  • PFAS-Belastung bei Kindern & Säuglingen:

HBM4EU Policy Brief: Per- and polyfluoroalkyl substances (PFAS)

  • WHO-Klassifizierung zu PFOA (Krebsrisiko):

The Lancet Oncology (2023): Carcinogenicity of perfluorooctanoic acid and perfluorooctanesulfonic acid

Inhalt erstellt mit Herz, Verstand und KI-Unterstützung.